Die Pororoca

Veröffentlicht am 10. Oktober 2009

Die Pororoca ist ein Naturspektakel von nicht ungefährlichem Reiz und wer es liebt, von Adrenalinstössen durchströmt zu werden, der findet hier einen mehr oder weniger heftigen Auslöser, je nachdem, wie weit oder wie nahe er sich an dieses elementare Spektakel herantraut.

[flickr tags=“Surf na Pororoca“ items=““]Von diesem Beobachtungspunkt aus – einer Erhöhung des Flussufers oder sogar in der Astgabel eines grösseren Baumes – kann man dann das einzigartige Schauspiel beobachten, während dem der Atlantische Ozean plötzlich, innerhalb von Sekunden, die Strömungsgewalt des Flusses bricht und eine bis zu 12 Meter hohe Flutwelle über viele Kilometer weit den Fluss hinaufrollen lässt. Sie reisst mittelgrosse Bäume aus ihrer Verankerung, zerschlägt Behausungen der Menschen am Ufer und treibt sie zitternd auf die der brachialen Gewalt schon über Jahrhunderte trotzenden Urwaldriesen. Wenige Naturschauspiele auf der Welt sind so ergreifend, haarsträubend und lebensgefährlich zu beobachten.

Dazu postiert man sich am besten an einer sicheren Stelle innerhalb des Flussdeltas, ganz früh am Morgen – ein einziger erschütternder Schrei aus den Kehlen von Millionen von Vögeln kündigt die Flutwelle an. Normalerweise gelingt es dem Amazonas anhand seines enormen Wasservolumens, das Meer viele Kilometer weit von der Mündung zurückzudrängen, aber während des Neumonds kehrt sich diese Situation ins Gegenteil um und dieser Zusammenprall der Wasser ist so gewaltig, dass er sich im Mündungsbereich aller in den Amazonas-Golf einströmenden Flüsse bemerkbar macht.

Am besten kann man dieses Phänomen am Rio Araguari beobachten, einige Kilometer oberhalb der Amazonasmündung. Die Flutwelle kann hier täglich in einer etwa 3-5 Meter hohen Ausführung beobachtet werden, aber die besten Monate sind zwischen April bis Juni, wo diese Pororocas ihre volle Kraft entfalten. Die Indianer vom unteren Amazonas gaben der Welle ihren bezeichnenden Namen: „Poroc-poroc“ was „Der Zerstörer“! bedeutet.