Aus der Kultur

Veröffentlicht am 9. Oktober 2009

Amapá ist reich an folkloristischen Demonstrationen. Besonders die afrikanischen und regional-indianischen Traditionen werden hier sichtbar, aber auch der religiöse Hintergrund der katholischen Kirche zeigt seinen Einfluss in dargestellten Auseinandersetzungen zwischen Christen und Mauren. Alle diese Feste werden unter massiver Beteiligung der gesamten Bevölkerung, der anwesenden Touristen und sogar der internationalen Presse begangen.

Das MARABAIXO-Fest
Seinen religiösen Hintergrund bildet die Ehrung der „Heiligen Dreifaltigkeit“ mit Messen und Umzügen. Der sozusagen „profane Vordergrund“ wird mit Musik und Tanz zelebriert – im Allgemeinen als Improvisation – getragen von ausgelassener Freude, aber auch von einer gewissen Tristesse innerhalb der einzelnen Darbietungen. Der Marabaixo entstand aus Episoden der vor der Fronarbeit geflohenen schwarzen Sklaven, deren Flucht sich „mar abaixo“ (hinunter zum Meer) vollzog. In Musik und Tanz interpretieren die Menschen ihren Frust, aber auch ihre Lebensfreude, typische Eigenschaften einer Rasse, die gezwungen wurde, in dieser Region neue Wurzeln zu entwickeln.

Heute hat sich dieses grösste Volksfest über die ganze Hauptstadt und viele Nachbarbezirke verbreitet – ursprünglich am Ostersonntag beginnend und bis Pfingsten an jedem weiteren Sonntag – oft aber auch ausserhalb dieser traditionellen Zeit, einfach aus Spass am Feiern. Dann spricht man hier von der „Marabaixeta“, dem Marabaixo ausserhalb der Saison! Man serviert alle möglichen Arten von Getränken während des Festes, das typischste allerdings ist die „Gengibirra“, zubereitet aus Zuckerrohr-Schnaps und Ingwerwurzeln.

Das SÃO JOAQUIM Fest
In Curiaú, jener Zuflucht der ehemaligen Sklaven, kommt innerhalb der folkloristischen Szene besonders dem São-Joaquim-Fest grosse Bedeutung zu: es wird zu Ehren des Heiligen Joaquim veranstaltet und als jener „profane Vordergrund“ hat sich hier der „Batuque“ entwickelt, berühmt durch seine besonders ausdrucksstarken Tanzdarbietungen.

Der kleine Ort besitzt zwei durch eine Brücke verbundene Ortsteile: „Curiaú Innen“ und „Curiaú Aussen“. Während der Festlichkeiten unterscheidet man zwei konträre Mittelpunkte: die „Folia“ und die „Ladainha“. Letztere ist eine Art Gebet, welches in Latein, vom örtlichen spirituellen Führer der Gemeinde, dem „Zeremonienmeister“, vorgetragen wird (anstelle des Pastors, denn Curiaú besitzt keine eigene Kirche). Danach beginnt die „Folia“, ebenfalls angeführt vom Zeremonienmeister: er sucht aus den Umstehenden mehrere Personen heraus, die sich seiner Ansicht nach zu wenig um ihre religiösen Verpflichtungen gekümmert haben und legt dafür eine bestimmte Busse fest. Kniend, bedeckt mit den Insignien des Heiligen São Joaquim, müssen die Betroffenen nun ihre Bussgebete sprechen.

Dem Wirbel der uralten Batuque-Trommeln von Curiaú, die „Macacos“ (Affen) genannt werden, kann niemand widerstehen. Jetzt beginnt der Teil des Festes, während dessen Verlauf die Menschen all ihre Begeisterung und Lebensfreude zum Ausdruck bringen. Pro Festplatz werden jeweils zwei dieser riesigen Trommeln eingesetzt – sie sind aus dem Holz des „Affenbaumes“ gefertigt und mit der Haut von Schafen oder auch von Riesenschlangen bespannt. Als Begleitung werden manchmal auch noch drei „Pandeiros“ (Tamburine) eingesetzt.

Bevor die beiden Trommler ihre Instrumente gebrauchen können, erhitzen sie die Hautbespannung vorsichtig über einem offenen Feuer. Dann setzen sie sich rückwärts auf den Holzkörper und bearbeiten die Trommel, welche auf einem Unterbau sitzt, von beiden Seiten mit je einem Schlegel. Vorsänger und Tamburin-Schläger gruppieren sich mit ihnen in der Mitte des Saals, während die Tänzer sich mit exaltierten Sprüngen – immer entgegen dem Uhrzeigersinn – sich um diese Musikgruppe herum bewegen.

Unter die Tanzenden mischen sich Männer, Frauen und Kinder aller Altersgruppen. Der Rhythmus steigert sich und es entsteht ein Spektakel ohne Beispiel: die bunten rotierenden Röcke der Frauen, die springenden und fallenden Körper der Männer und die spitzen Schreie aller Tanzenden geben der Szene einen ungemein fesselnden starken Ausdruck. Der Mast, welcher zu diesem Fest gehört, wie anderenorts der Maibaum, gefertigt aus dem Holz des „Jacaraúba-Baums“, wird jedes Jahr neu bemalt und zum Festbeginn, am 14. August, aufgerichtet. An seiner Spitze weht eine weisse Fahne, die mit der Krone des Heiligen bestickt ist.

Die „Ladinhas“, die Prozession und die „Folia“ spiegeln den Glauben und die Verehrung der Bewohner von Curiaú gegenüber ihren Heiligen wieder. Ausser für São Joaquim werden noch für São Sebastião und Santo Antônio (in Curiaú Innen) für Santa Maria und São Tomé (in Curiaú Aussen) solche Feste veranstaltet.

Das BOI-BUMBÁ Fest
Dieses Fest ist eines der bekanntesten im Nordosten Brasiliens und hat durch die Einwanderer aus Maranhão und anderen nordöstlichen Bundesstaaten, auch in Amapá seine besondere Darstellungsform gefunden: Die Menschen kleiden sich in bunte Kostüme und tanzen auf den Strassen und öffentlichen Plätzen, um die Geschichte eines Ochsen zu erzählen, der, dank der Weisheit eines indianischen Medizinmannes, vom Tod wieder auferstand.

Boi Bumbá
Boi Bumbá
Boi Bumbá
Boi Bumbá
Boi Bumbá
Boi Bumbá
Boi Bumbá
Boi Bumbá
Boi Bumbá
Boi Bumbá
Boi Bumbá
Boi Bumbá
Boi Bumbá
Boi Bumbá
Boi Bumbá
Boi (ox costume), Sao Luis, State of Maranhao, 2009; Antonio Fausto Silva (maker)
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Und zwar kam das so: Die schwangere Frau eines Angestellten einer Fazenda bekam einst Lust auf ein Steak vom Lieblingsochsen des Besitzers. Also schlachtet ihr Mann heimlich das Tier, aber sein „Patron“ erwischt ihn und befiehlt ihm, sein Lieblingstier ins Leben zurückzurufen, wenn er nicht sein eigenes Leben dafür lassen wolle. Verzweifelt wendet sich der arme Mann nun an den Medizinmann der Indianer und als dieser den Lieblingstier wiedererweckt, ist die Freude aller gross und die Menge tanzt lachend um den „auferstandenen Ochsen“ herum.

Das SÃO TIAGO Fest
Es wurde von portugiesischen Einwanderern im 18. Jahrhundert nach Macapá gebracht, die vor einem Krieg zwischen Christen und Moslems flüchteten. In der Erzählung tritt „São Tiago“ als Soldat im Kampf gegen die Ungläubigen auf.

Vom 16. bis 27. Juli jährlich, lassen die Bewohner von Mazagão – 35 km von Macapá – die verschiedenen Teile dieses Dramas wiederaufleben: den „Raub der christlichen Kinder“, die „Spionageversuche“, die „vergifteten Lebensmittel“ und den „Ball der Masken“, den die Muselmanen ihren Feinden als Möglichkeit zum „heimlichen Seitenwechsel“ anbieten.

Das Fest endet mit einer kirchlichen Messe, und schliesst mit einem Dankgebet São Tiagos für den wunderbaren Sieg über die Muselmanen ab. An den darauf folgenden zwei Tagen wird dann das gleiche Spektakel von den Kindern des Ortes dargestellt: sie reiten auf Spielzeugpferdchen aus dem Holz der lokalen „Miriti-Palme“.