Kunsthandwerk in Acre

Veröffentlicht am 10. Oktober 2009

Amazonien bringt unzählige verschiedene Arten von Natur-Fasern hervor, Kerne und Früchte, die von geschickten Künstlern zur Gestaltung und Konfektion diverser Objekte und Utensilien, für Schmuck und Dekoration verwendet werden. Besonders die Waldbewohner und, allen voran die Indianer, beweisen hier ihren traditionellen Sinn für Farbharmonie und handwerkliche Geschicklichkeit mit Körben und Taschen, Fuss- und Hängematten, Keramik-Utensilien und allerlei Hausgerät. Stücke, die durch ihre Kreativität und Ausführung bestechen.

Das indianische Kunsthandwerk bedient sich mit Vorliebe der „Jarina“, eines Fruchtkerns, der auch unter dem Namen „pflanzliches Elfenbein“ bekannt ist oder als „Wald-Diamant“ wegen seiner Härte. Aus den Samen des „Açaí“, der „Patuá“, der „Pucumã“, der „Lagrima-de-Santa-Maria“ und aus dem „Olho de Boto“ verstehen die Indianer wunderschöne Ohrgehänge, Armbänder, Halsketten, Kopfschmuck, Fussketten und viele andere dekorative Stücke anzufertigen.

Es gibt hier eine grosse Nussschale, bekannt unter dem volkstümlichen Namen „Ouriço“ (Igel), aus denen Souvenirs, wie Aschenbecher, kleine Kästchen und auch Miniatur-Häuschen fabriziert werden.

Besonders bekannt sind die aus „Latex“ (Rohgummi) gefertigten Miniaturen von Tieren des Regenwaldes, die von den Waldbewohnern angefertigt werden.

Erst vor kurzem hat man im Acre eine Technik entwickelt, mit der man ein neues Rohmaterial zur Fabrikation von Taschen, Aktenmappen, Reisetaschen – koffern, Brieftaschen und anderer nützlicher Utensilien des täglichen Bedarfs herstellen kann: das „Couro Vegetal“ (Pflanzen-Leder). Es wird aus 100% Baumwoll-Stoff hergestellt, der in natürlichem Latex – gewonnen aus der „Hevea Brasiliensis“ – gebadet wird, danach geräuchert und vulkanisiert in einem geheim gehaltenen exklusiven Arbeitsprozess. Dieses ökologische Leder ist ein neuer Rohstoff, welcher ausschliesslich von den Indianern und „Seringueiros“ Amazoniens hergestellt wird und dessen Fabrikation zum Schutz der Regenwaldgebiete beiträgt und der Existenz ihrer Bewohner eine Einkommensgrundlage sichert.

„COURO VEGETAL“
Ein neuer Rohstoff auf der Basis von natürlichem Latex – extrahiert aus den nativen „Gummi-Bäumen“ (Hevea Brasiliensis) des Amazonas-Regenwaldes und mit Hilfe eines traditionalen Konfektionsprozesses der „Seringueiros“, innerhalb ihrer einfachen Behausungen, hergestellt.

Schon immer haben die Latex-Sammler die „Milch aus dem Baum“ auch zur Herstellung eigener Gebrauchsgegenstände benutzt, wie zum Beispiel die Tasche „Capanga“, ihre Sandalen oder den Tragesack aus Kautschuk. Die Herstellung jenes Tragesackes war das Grundelement zur Herstellung des „Pflanzlichen Leders“, wie man das Rohmaterial heute nennt. Ein Stück Baumwollstoff in Latex getaucht, dann geräuchert und in einem speziellen Erhitzungsvorgang vulkanisiert.

Die Eigen-Produktion der Rohstoff-Platten des „Pflanzen-Leders“ ermöglicht dem „Seringueiro“ mehr als eine Verdoppelung seines Einkommens, verglichen mit der traditionellen Methode zur Latex-Verarbeitung: bisher bekam er zirka R$ 1.50 für 1 kg trockenen Rohgummi (Kautschuk), wofür er 3,3 Liter Latex brauchte. Heute bringt ihm jede Platte „Couro Vegetal“ R$ 3.00, und dafür muss er nur 1,3 Liter Latex einsetzen!

Inzwischen hat man durch entsprechende wissenschaftliche Studien auch die Lebenszeit und Qualität des „Couro Vegetal“ wesentlich verbessert und dadurch dem neuen Rohstoff eine Marktlücke erschlossen. Längst ist er von sehr guter Qualität und wird bereits international anerkannt als ein Produkt, dessen Herstellung in absolutem Einklang mit der zu schonenden Umwelt steht. Und so hat sich dieser Rohstoff inzwischen auch zur grossen Hoffnung für die Waldbewohner vom Acre entwickelt und für deren Bestrebungen, die Gaben des Regenwalds zu erschliessen, ohne deshalb seine und damit ihre eigene Existenz zu gefährden.