Acre heute

Veröffentlicht am 10. Oktober 2009

Eine bunte Mischung von Rassen, Sitten und Glaubensrichtungen. Ein Land der Pioniere und eines Volkes mit reichem Kulturerbe, eine der aufregendsten und heroischsten Seiten im brasilianischen Geschichtsbuch. Land der Waldbewohner, mit fruchtbaren Böden und immer-grünen Wäldern. Land der „Bäume, aus denen Milch fliesst“, der „Brasilnuss“, ein ökologisches Paradies unter Naturschutz. All das und noch viel mehr ist der „Acre“, den man unbedingt kennen lernen sollte, durch die Geschichte eines Volkes, das stolz darauf ist, Brasilianer zu sein.

95% der Fläche des Bundesstaates Acre sind mit tropischem Regenwald bedeckt, welcher der Welt grösste Bio-Vielfalt beherbergt. Ein Drittel aller Primatenarten Brasiliens finden sich im Acre, der als eine der bestgeschützten ökologischen Areale Brasiliens gilt. Im selben Bundesstaat findet sich auch der Welt grösste Konzentration von Gummi-Bäumen und der einzige primäre Bambus-Urwald der Welt. Alles Zeichen von gutem Umweltschutz!

Jene so genannten „Bambuzais“ (Bambus-Konzentrationen), die man an den oberen Flussläufen findet, sind die Produktionsstätten für eine grosse Vielfalt an Nahrungsstoffen, die mit dem Wasser stromab treiben und in der Nahrungskette der Fische eine wichtige Rolle spielen. Die meisten dieser Flüsse sind so genannte „Schwarzwasserflüsse“ – ihre Quellgebiete liegen im Regenwald – während die wenigen „Weisswasser“ (eher lehmig trübes Wasser) dagegen von den Anden heranfliessen. Die so genannten „Kristallinen Wasser“ – also sehr klare Flüsse – kommen aus dem Süden Brasiliens. Während der Laich-Zeit der Fische (Piracema) – Monate, in denen sie zur Eiablage die Flüsse hinaufschwimmen, ist das Angeln und Netzfischen im gesamten Staat gesetzlich untersagt.

Der Bundesstaat Acre besitzt grosse archäologische und palentheologische Fundstätten. Hier hat man die bisher grösste und bedeutendste Anzahl von Fossilien Brasiliens entdeckt, auf einem Areal mit aussergewöhnlich tief gehender „Terra Roxa“ (roter Erde) und „Terra Branca“ (weisser Erde). Diese fruchtbaren Böden geben dem Acre, als einzigem Amazonas-Staat, gute Chancen für den erfolgreichen Ackerbau.

Seine geografische Lage ist von wirtschaftsstrategischer Relevanz, denn durch den Acre führen Brasiliens kürzeste Transportwege für Exportgüter in den Westen der Vereinigten Staaten und in die asiatischen Länder. Der grösste Teil des Acreanischen Territoriums wird von einem riesenhaften Hochplateau beherrscht, ausgenommen die Region der Serra da Contamana, im Westen des Bundesstaates. Hier befindet sich der Nationalpark der Serra do Divisor – mit 650.000 Hektar – gegründet 1989, beherbergt er eine besonders reiche amazonensische Vegetation.

62% der „Acrianos“ leben in den urbanen Zentren – verteilt auf insgesamt 22 Distrikte.

Der „Kautschuk-Sammler“ „Seringueiro“ ist die Symbolfigur des Acre geblieben – er ist der „Mann des Waldes“ par Excellenze, fristet in ihm und durch ihn, sein Leben, indem er auch heute noch aus ihm den nützlichen „Latex“ extrahiert, in einer passiv kollektiven Art und Weise, die nicht zur Schädigung der Natur führt, sondern zu deren Schutz und Erhalt beiträgt. So ist der Regenwald immer noch wirtschaftliche Grundlage der meisten Menschen dieses Bundesstaates. Die Kautschuk-Gewinnung und das Ernten von Brasilnüssen gehören auch heute noch zu deren Hauptbeschäftigung. Der Acre ist damit auch heute grösster brasilianischer Produzent von Gummi. Der Ernte der Brasilnüsse widmet sich die Familie des „Seringueiro“ als Nebenbeschäftigung, während der Regenzeit.

Landwirtschaft ist vorerst noch auf den Eigenbedarf der Familien begrenzt, jedoch gibt es schon einige grössere Produktionen von Maniok, Reis, Bananen und Mais, die bereits von wirtschaftlicher Bedeutung für den Staat sind. In der Tierzucht bekommen Rinder und Schweine zunehmend Bedeutung.

Die Industrie im Acre ist auf die Produktion von Lebensmitteln, Möbeln und Keramik-Utensilien begrenzt. Der Handel wird fast ausschliesslich per Schiff über die Flüsse abgewickelt, und die Produkte gehen, in den meisten Fällen, in die Nachbarstaaten Amazonas und Pará.