Terra Ronca

Veröffentlicht am 16. Oktober 2009

Für Fans von aussergewöhnlich schönen Höhlen, hier das besondere Abenteuer: im Nordosten von Goiás, direkt an der Grenze zum Nachbarstaat Bahia, im Gebiet der „Serra Geral“, befindet sich der grösste und ausgedehnteste Höhlenkomplex beider Amerikas – mehr als 200 Höhlen!!

Die „Terra Ronca“ genannte Höhle ist die grösste in Südamerika und rangiert unter den 10 grössten Höhlen unseres Planeten! Leider sind bis heute erst fünf dieser Höhlenkomplexe für den Besuch freigegeben – in den andern sind die Untersuchungen der Speleologen (Höhlen- und Karstforschern) noch im Gange. Der Park steht unter staatlicher Administration und die Guides, ausgebildet von der „SEBRAE“ (brasilianisches Institut für berufliche Ausbildung), sind in diesem Landstrich geboren. Die meisten in:

São Domingos
Der kleine Ort von 4.430 Einwohnern ist das Eingangstor zur Höhlenwelt und zu wunderschönen Wanderungen auf den Höhen der „Serra Geral“. Die erste Siedlung entstand gegen Ende des 17. Jahrhunderts unter dem Namen „Arraial Velho“ – etwa 2 km vom heutigen Ortskern – gegründet von zwei portugiesischen Brüdern mit Namen „Domingos“ und „José Valente“, die aus Salvador bis hierher gefunden hatten. Unter anderen persönlichen Utensilien brachten sie auch ein Standbild des „São Domingos Gusmão“ mit sich. Das heisst, die Figur wurde von einer Sklavin, auf dem Rücken ihres Maultiers, hergetragen, die dafür ihre Freiheit erhielt. Distrikt, Siedlung und der den Ort durchquerende Fluss, erhielten den Namen des in der Statue verewigten Heiligen: „São Domingos“. Tipp: São Domingos ereicht man bequem von Goiânia aus über die BR-060, eine gut ausgebaute asphaltierte Bundesstrasse.

Die Jesuitenpater haben ebenfalls ihren Verdienst an dem Zustandekommen der Siedlung. Sie waren es, die die erste Schule bauten. 1937 wurde das Priesterseminar der Stadt gebaut, ein Gebäude, das inzwischen vom Denkmalschutz des Distrikts restauriert worden ist.

Serra Geral de Goiás
Dieses Gebirge trennt den Bundesstaat Goiás vom Nachbarn Bahia. Seine Arenit-Formationen, unterbrochen von einzelnen riesigen Felsen, sind bedeckt von der Vegetation des Cerrado.
Je nach Stand der Sonne, erscheint er in leuchtenden Grüntönen aller Nuancen, und wenn der schräge Schatten einer Felswand auf ihn fällt, wechselt die Vegetation in ein mystisches Blaugrün.

Den Fuss der Berge umgibt ein weites Tal mit Cerrado-Vegetation. Auf den so genannten „Veredas“, lichten Tiefebenen, deren Böden die Feuchtigkeit speichern können, stehen die „Burití“ (Mauritia vinifera, Mart.) und „Buritírana“ (Mauritia flexuosa, Lin.), predominante Palmen, in dekorativen Gruppen.   

In und um die Hänge des Gebirges herum, trifft man auf zahllose Quellen, die Flüsse von ungewöhnlicher Transparenz hervorbringen. Unter ihnen auch der „Rio São Domingos“, der „Rio da Lapa“, „Rio São Bernardo“, „Rio São Mateus“, „Rio São Vicente“ und der „Rio Angélica“, die den Höhlenkomplex von „Terra Ronca“ bewässern – einige fliessen sogar unterirdisch weiter.

Der Aufstieg auf das Plateau nimmt in der Regel etwa 40 Minuten in Anspruch und ist ziemlich anstrengend. Dafür wird man mit einem Ausblick belohnt, der es in sich hat: die Landschaft ist von fast bizarrer Schönheit, mit zahlreichen von Wind und Wetter abgeschliffenen Felsenskulpturen, die aus dem lebendigen Grün herausragen, wie steingewordene Riesen. An machen Stellen stehen sie so dicht, dass sie von weitem tatsächlich einer Versammlung von Riesen gleichen, die gleich auseinander gehen werden – aber sie stehen schon Tausende von Jahren an der gleichen Stelle.

Auf der oberen Region des Gebirges erstreckt sich eine ausgedehnte Hochebene, die man mit „Campina“ bezeichnet. Die Vegetation hier oben wird vom so genannten „Cerrado Rasteiro“ beherrscht – der niedrigsten Form des Cerrado, aus der hie und da ein paar Krüppelbäumchen hervorragen.

Alles beherrschend scheint die „Canela-de-Ema“ (Lauraceae) zu sein, sie bildet dichte, mannshohe Busch-Dschungel. Dazwischen entdeckt man aber auch Exemplare der „Amburana-Branca“, der „Barriguda-de-espinho“ (Fam. Bombacaceae), der „Barriguda lisa“ (Fam. Bombacaceae), des „Aroeira“ (Fam. Anacardiaceae), des „Tamboril“ (Mimosa carunculata), des „Jatobá“ (Hymenaea courbaril, Lin.), der „Xixá“ und des „Ipé“ (Tecoma ipe). An den Felsenhängen zahlreiche Bromelien, deren leuchtende Blütengebilde in der Regenzeit erscheinen.

Das Ökosystem der „Serra Geral“ kann mit dem der „Chapada Diamantina“ verglichen werden – nicht nur die Pflanzen, auch die Tierwelt ähnelt sich sehr: insgesamt wurden bisher 150 Vogelarten registriert.

Unter ihnen so seltene Arten wie zum Beispiel: der „Arara Azul“ (Anodorinchus hyacinthimus), der „Arara Vermelha“ (Ara macao) und verschiedene seltene Greifvögel „Gaviões“ (Falconideae). Besonders heikel ist der Schutz endemischer Arten (Arten, die nur in diesem Gebiet vorkommen). Und die sind: der „Pyrrura“ – eine Sittich-Spezies, die „Maria-Preta-do-Nordeste“, der „Soldadinho“, der „Cá-cá“ und etliche andere (in diesem Fall war es uns leider nicht möglich, die wissenschaftliche (lateinische) Bezeichnung der Tiere zu ergänzen, da es sich ausschliesslich um volkstümliche Namen handelt).

Unter den fast 50 Säugetierarten finden sich: der Mähnenwolf „Lobo-Guará“ (Chrysocyon brachyuros), das Gürteltier „Tatu-Canastra“ (Dasypus novemcinctus), der Ameisenbär „Tamanduá Bandeira“ (Myrmecophaga tridactila), der Savannen-Hirsch „Veado Campeiro“ (Hippocamelus bezoarcticus), der gefleckte Jaguar „Onça Pintada“ (Pantera onca) und der Puma „Suçuarana“ (Puma concolor).

Parque Estadual Terra Ronca
Der Park wurde am 7. Juli 1989 gegründet – sein Gebiet wurde aber in seinen exakten Dimensionen erst am 21. August 1996 endgültig im Gesetz festgeschrieben. Das erklärt, warum sich seine Struktur für den Empfang von Besuchern noch in der Phase der Ausarbeitung befindet – und auch bisher nur sechs von über 200 Höhlen zur Besichtigung freigegeben sind.

Rund um den Höhlenpark herum hat man ergänzend ein Landschaftsschutzgebiet eingerichtet – eine „Area de Proteção Ambiental“ (APA) – innerhalb der „Serra Geral“, am 16. April 1996. Die Flächen dieser beiden Schutzgebiete – mit kontrollierten Aktivitäten und unter Kontrolle der „Agência Goiana de Meio Ambiente e Recursos Naturais“ (dem staatlichen Umweltschutz) – beträgt einmal 57.018 ha und zum andern 40.000 ha.

Der erste Schritt, so die Auskunft der Behörden, war die Erziehung zum Schutz der Umwelt und die Heranbildung von lokalen Fachleuten in Sachen Naturschutz. Und die Realisierung von Kampagnen und Seminaren über die Importanz des Ökotourismus für die Region. Zurzeit beschäftigen sich verschiedene Institutionen in Goiás mit der „Implantierung“ eines „Plans zur Nutzung des Parks“, der Installation eines Besucher-Zentrums und der Vermessung von spezifischen Terrains für campende Besucher.

Das bedeutet also, dass diese Gebiet touristisches Neuland ist – was einerseits verschiedene Touristen abschrecken wird, weil die Infrastruktur fehlt – andererseits aber auch einige echte Abenteurer reizen wird, denn so erlebenswertes „jungfräuliches“ Neuland gibt es eben nicht mehr so oft!

Bitte lesen Sie den Beitrag „Höhlen“ und entscheiden Sie selbst!