Satelliten-Städte

Veröffentlicht am 16. Oktober 2009

Wen man sich an Brasília satt gesehen hat, oder wenn man zwischendurch mal einen Abstecher in die schöne Natur des Regierungsdistrikts machen möchte, dann kommt man auch in Kontakt mit den Bewohnern der so genannten Satelliten-Städte – einstmals primitive Bauarbeiterquartiere, die nach der Fertigstellung der Hauptstadt nicht einfach wieder abgerissen wurden, wie so viele von ihnen, sondern sich aus einer Laune, oder der Beharrlichkeit ihrer nunmehr arbeitslosen Bewohner, weiterentwickelten. Und dann sind die ehemaligen Bretterbuden richtigen ziegelgemauerten Häuschen gewichen, und als man das geschafft hatte, legte man zusammen und stellte eine Kirche in die Mitte des Dorfplatzes – damit hatte man jetzt eine richtige neue Heimat, und nicht so karg und trocken wie das Stück Land im „Sertão“ des Nordostens, von dem man hergekommen war.

Brasília wuchs und wuchs – und die Menschen in den Satelliten-Städten begleiteten dieses Wachstum in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft mit vielseitigen Dienstleistungsangeboten. Andere produzierten Gemüse und Früchte auf ihren Grundstücken, oder kleine Kuchen und Salzplätzchen im auf Raten erstandenen Herd, die sie dann auf dem freien Markt in Brasília den Hausfrauen der Staatsbeamten verkauften. Oder sie verdingten sich als Kindermädchen, Putzfrauen und manchmal auch als Köchinnen, in den Haushalten jener Elite. Und wenn der Wasserhahn leckte oder der Kühlschrank von Madame streikte, dann wurde der Mann von der Putzfrau herzitiert, der war nämlich Spezialist für so was – war Klempner, Maurer, Elektriker und Gärtner, wenn es drauf ankam! Und so rackerte man sich ab – und so kam man durch.

Brasília hat 18 solcher Satelliten-Distrikte, mit einem jeweiligen örtlichen Mittelpunkt, die unter der Bezeichnung „Região Administrativa“ (RA – Administrative Region) der Hauptstadt angegliedert wurden und zusammen den „Regierungsdistrikt Brasília“ bilden. Sie alle haben irgendwie ihre Besonderheiten, und weil sie kaum je aus dem Schatten der grandiosen Hauptstadt treten dürfen, möchten wir sie einmal vorstellen.