Militär soll Favela-Komplex Maré in Rio de Janeiro „befrieden“

Veröffentlicht am 26. März 2014 unter

forca-nacionalDer Gouverneur Rio de Janeiros, Sergio Cabral, hat am Montag (24.) offiziell den Einsatz von Soldaten im Favela-Komplex Maré gebeten. Cabral begründete den Schritt mit den jüngsten Vorkommnissen, bei denen Polizisten im Einsatz ums Leben kamen. Darüber hinaus verwies er darauf, dass der Komplex ein Zufluchtsort für verschiedene Verbrechen sei. Mit Hilfe des Militärs soll der Komplex zudem auf die Installation von UPPs, Einheiten der Friedenspolizei, vorbereitet werden. Ganz unumstritten ist der Militäreinsatz jedoch nicht.

Im Favela-Komplex Maré leben 130.000 Menschen, Arbeiter, die es zu schützen gelte, so Cabral. Blutige Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Kriminellen sind keine Neuheit in den Favelas der Maré. Im Juni 2013 kam es bei einer Schießerei zwischen Polizisten und Drogenhändlern zu zehn Toten. Von der Gewalt abgesehen ist der Komplex auch aus strategischen Gründen wichtig, liegt er doch in der Nordzone Rios an wichtigen Verbindungsstraßen. Darüber wie viele Soldaten entsandt werden und wann ihr Einsatz beginnt, wurde bisher nichts verlautbart. Auch die Dauer des Einsatzes ist offen.

Die Entsendung der Soldaten in den Komplex Maré ruft keineswegs nur Zustimmung hervor. Von der Nichtregierungsorganisation (NGO) “Observatório de Favelas” wird die Militarisierung mit Sorge betrachtet. Die NGO, die 2001 von Bewohnern und Forschern im Komplex Maré gegründet wurde, sieht in der Konfrontationspolitik einen großen Rückschritt, der den Dialog zwischen Bevölkerung und Friedenspolizei verdrängt. NGO-Vertreter stellen ironisch die Frage: “Wieviele Lehrer und Ärzte werden entsandt?”.

Auch Ex-Präsident Fernando Henrique Cardoso äußerte Besorgnis. Nach einer Veranstaltung über den Militärputsch vor 50 Jahren in Brasilien, kritisierte er, dass ein Einschreiten von Militär immer gefährlich sei. Zwar räumte er ein, dass dieses im Notfall zur Hilfe gerufen werden könne, um die Gewalt einzuschränken, verwies aber darauf, dass die Soldaten nicht für diese Aktion speziell trainiert seien.